Transform-R Rückblick (Transform-R)

Sicherheit als Marktzutrittsbedingung: Morning Briefing Juni

23.06.2026

zu Gast: Prof. Dr. Stefan Katzenbeisser

Am 23. Juni 2026 fand das dritte Morning Briefing im Rahmen des Transformationsnetzwerks transform.r statt – erneut als kompaktes Online-Format über 45 Minuten. Das Morning Briefing hat sich seit seinem Start als niederschwelliges, praxisnahes Format etabliert: Clustermanager Uwe Pfeil führt die Teilnehmenden in 45 Minuten durch aktuelle Marktentwicklungen, Fördermöglichkeiten und ein persönliches Expertengespräch im Format „Conversation with".

Das Thema des Juni-Briefings war IT-Sicherheit für kritische Infrastrukturen (KRITIS) – mit besonderem Fokus auf Adversarial AI, IT/OT-Konvergenz und die Absicherung vernetzter Verkehrsinfrastruktur. Damit schloss das Briefing eine inhaltliche Trilogie ab: Auf den Startup-Blick von dissecto im April und die Tier-1-Konzernperspektive von AVL im Mai folgte im Juni die wissenschaftliche Stimme der Cybersecurity-Forschung.

Als Gast im Format „Conversation with" war Prof. Dr. Stefan Katzenbeisser, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Informatik an der Universität Passau, zu Gast. Katzenbeisser zählt zu den profiliertesten KRITIS-Cybersecurity-Forschern Deutschlands: Er ist Mitgründer der INCYDE GmbH, die sich auf industrielle Cybersicherheit in den Sektoren Automotive und Verkehrsinfrastruktur spezialisiert hat, und war als Prüfsachverständiger bei der Inbetriebnahme des ersten digitalen Stellwerks der Deutschen Bahn tätig. Darüber hinaus hat er den Bayerischen Forschungsverbund ForDaySec geleitet – ein interdisziplinäres Konsortium aus fünf bayerischen Universitäten mit einem Fördervolumen von 3,3 Millionen Euro, das im März 2026 nach vier Jahren erfolgreich abgeschlossen wurde.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen drei eng miteinander verknüpfte Themenfelder: Adversarial Attacks auf KI-basierte Verkehrszeichenerkennung, die Unterschiede zwischen IT- und OT-Security sowie die wachsende Bedrohung durch kombinierte Remote- und physische Angriffe auf vernetzte Infrastruktur. Besonders aufschlussreich war der Blick auf sogenannte physische Adversarial Attacks: Minimale Veränderungen an Verkehrsschildern – etwa durch Aufkleber oder Lichtprojektionen – können KI-Systeme in autonomen Fahrzeugen täuschen, während das menschliche Auge nichts Ungewöhnliches wahrnimmt. Forschungsergebnisse zeigen, dass dadurch die Erkennungsgenauigkeit von KI-Modellen drastisch sinken kann.

Ein weiterer zentraler Impuls galt der IT/OT-Konvergenz: Intelligente Ampeln, Verkehrsleitsysteme und vernetzte Ladeinfrastruktur verbinden die IT-Welt mit der Operational Technology (OT) – zwei Bereiche mit grundlegend unterschiedlichen Sicherheitskulturen, Update-Zyklen und Risikoprofilen. Prof. Katzenbeisser machte deutlich, dass diese Schnittstelle für Betreiber kritischer Infrastrukturen eine der größten aktuellen Herausforderungen darstellt.

 

HINWEIS

Die Veranstaltung war Teil der Transformationsnetzwerke der Bundesregierung (Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, BMWE). Das Regensburger Projekt transform.r unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilindustrie.

 

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