Transform-R Erfolgsgeschichte (Transform-R)

Neue Transferwege zwischen Berufserfahrung und Wissensvermittlung im Rahmen von transform.r

27.08.2026

Wenn Praxis auf Lehre trifft – GLIWA bringt Safety & Security direkt in die Fahrzeugentwicklung

Der Aufhänger: Eine Lücke, die Fachkräfte täglich spüren

Safety und Security in der Embedded-Softwareentwicklung sind regulatorisch längst Pflicht – in der Breite der Belegschaft aber oft nicht verankert. Entwickler, Tester und Applikationsingenieure arbeiten täglich mit sicherheitskritischen Systemen, ohne je eine strukturierte Einführung in Safety- und Security-Denkweisen erhalten zu haben. Kammern bieten solche Kurse nicht an, Hochschulen hatten das Thema lange nicht im Fokus. transform.r hat diese Lücke geschlossen – mit einem Trainer, der das Thema nicht nur kennt, sondern lebt.

Der Trainer: Christian Wenzel-Benner, GLIWA GmbH & Co.KG

Christian Wenzel-Benner ist Director Training & Coaching bei der GLIWA GmbH & Co.KG, einem der weltweit führenden Anbieter von Timing-Analyse-Tools für die Automobilindustrie (Sitz: Weilheim i.OB). Das Analysetool T1 läuft in mehr als 1.000 Serienproduktionsprojekten bei OEMs und Zulieferern weltweit.

Er bringt einen ungewöhnlichen Erfahrungsmix mit: Softwareentwicklung bei Bosch (Bremssteuergeräte), Projektleitung bei ITK Engineering, seit 2015 Forschung und Training bei GLIWA, Lehrtätigkeit an der THM Gießen. Er bildet Fachinformatiker aus, saß im DIN-Normungsarbeitskreis IT-Sicherheitstechniken und war AUTOSAR Document Owner für Timing Analysis. Auch international hat er sich einen Namen gemacht: Beim weltweiten NIST-Wettbewerb, der 2007 bis 2012 den heutigen Verschlüsselungsstandard SHA-3 kürte, organisierte er mit XBX eines der Testprojekte und wird dafür im NIST-Abschlussbericht namentlich erwähnt.

Persönlich arbeitet Wenzel-Benner von Marburg aus und ist dem Standort Gießen zugehörig – eine Konstellation, die zeigt, wie das bayerische Sensorik-Ökosystem auch über die Landesgrenze hinweg wirkt. GLIWA selbst ist ja ein bayerisches Unternehmen. Genau diese Mischung aus Hochschullehre, Industriepraxis und Zertifizierungsstandards macht ihn für die Zielgruppe in der Region besonders geeignet.

Das Format: Safety & Security zum Anfassen

Das Basics-Training „Safety und Security für Hard- und Softwareentwicklung“ fand erstmals im November 2023 in der TechBase Regensburg statt, 2024 folgte eine Wiederholung, 2025 dann auch ein englischsprachiger Kurs. Inhalte: Safety vs. Security als Konzept, C-Codierstandards (MISRA, CERT), Stackaufbau und Buffer-Overflow-Angriffe mit Demo und Übung am echten System, Seitenkanalangriffe mit Übung am AURIX-Prozessor. Theorie verankert sich konsequent in realen Bedrohungs- und Angriffsszenarien.

Zielgruppe waren Fachkräfte aus Entwicklung, Applikation und Test – keine Security-Spezialisten, sondern Beschäftigte, die Security als Teil ihrer Arbeit verstehen lernen sollten. Grundlegende C-Kenntnisse waren von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Die Teilnehmenden-Evaluationen offenbarten eine bunt gemischte Zielgruppe: Sie nannten vor allem praktische Debugging-Tricks, ein geschärftes Bewusstsein für sichere Programmierung und Codesicherung sowie den Stellenwert guter Software-Reviews für Safety und Security als Gewinn aus dem Training für die eigene berufliche Praxis.

Ab 2025 kam ein zweiter Trainer hinzu (Germano Brunacci, Italien): mehr Betreuung in den Übungen, mehr Praxisbeispiele aus Security-Standardisierung und Hochvoltbatterien – beide Trainer bringen zudem Erfahrung aus der Medizintechnik mit.

Der Transfer: Was für wen entstanden ist

Für die Fachkräfte in der Region

Bis zu 16 Fachkräfte konnten sich in einem Format qualifizieren, das es so zuvor nicht gab: praxisnah, kostenlos, direkt auf die Anforderungen von Serienentwicklung und Zulieferbetrieb zugeschnitten. ISO 26262 und ISO/SAE 21434 machen Safety- und Security-Kompetenz auf Entwicklungsebene zur Voraussetzung für Serienlieferanten – dieses Training schafft genau diese Basis. Das Feedback zeigt, wie wichtig das Thema in der Praxis geworden ist: von einem gewachsenen Bewusstsein für Security in der Softwareentwicklung bis zur Forderung, Cybersecurity von Beginn der Projektplanung an mitzudenken.

Für GLIWA

Wenzel-Benner selbst nimmt aus den Regensburger Trainings vor allem neue Perspektiven mit: eine Sensibilisierung für die Vielfalt der KMU-Landschaft in Sensorik und Elektronik – ein Bild, das deutlich von Großkonzernen wie Bosch oder Siemens abweicht –, den überraschend hohen Internationalisierungsgrad der Fachkräfte auch in kleineren Unternehmen sowie einen positiven Eindruck von der bayerischen Netzwerk-Infrastruktur. „Die Mischung aus unterschiedlichen Perspektiven im Raum ist immer eine Bereicherung", sagt er: Die Kurse brachten Teilnehmende aus Elektrotechnik, Informatik, Physik, Mathematik und Maschinenbau zusammen – deutlich heterogener als bei klassischen GLIWA-Kundenschulungen mit meist nur ein bis zwei Zulieferern neben OEM-Mitarbeitenden. Möglich macht das offene Format ohne die sonst üblichen NDA- und Fallbesprechungs-Zwänge die Reichweite des Sensorik-Netzwerks bei der Zielgruppenakquise.

Für das Netzwerk

GLIWA kommt zwar nicht unmittelbar aus der Region Regensburg, aber genau das macht den Mehrwert aus: Der Blick über die Landkreisgrenze hinaus bringt hochspezialisiertes Wissen direkt zu den Unternehmen, die es brauchen. Wie konkret dieses Wissen wirkt, zeigt eine Rückmeldung aus der Praxis: Ein Abteilungsleiter bei Aumovio (vormals Continental) berichtete z.B., das im Training erworbene Verständnis habe die Ausrichtung seiner Abteilung und den Einsatz der Mitarbeitenden spürbar erleichtert.

Der Ausblick

Das Format hat sich über drei Jahre kontinuierlich weiterentwickelt – bei den Übungen ebenso wie bei den Inhalten. Für transform.r zeichnet sich der nächste Schritt bereits ab: ein transform-DiaLog zum Security-Mindset für heutige Verantwortungsstrukturen, der das Thema von der Einzelentwicklung auf die Organisationsebene hebt.

Kontakt: 

Dr. Michael Hellwig | m.hellwig@sensorik-bayern.de | Strategische Partnerschaft Sensorik e.V., Franz-Mayer-Straße 1, 93053 Regensburg

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